10.Geburtstag

 

  

Liebe Olympia,

manchmal ist es mir wie gestern, als wir Dich im Juni 1995 im Alter von drei Wochen in Zweibrücken bei Deinen Züchtern aussuchten und fünf Wochen später dann mit nach Hause nahmen. Ich sehe Dich noch vor mir, als Du mit Diva im Garten ausgelassen spieltest, habe noch heute ihr unwilliges Geknurre,  wenn Du es einmal wieder allzu toll getrieben hattest, in den Ohren.

 

Die Zeit verging, Du wurdest erwachsen, zumindest körperlich, denn in Deinem Herzen bist Du bis heute der kleine Welpe von damals geblieben.

Wir haben gute Zeiten, aber auch sehr schlechte miteinander verlebt. Wie oft habe ich mich bei Diva und Dir ausgeweint, wenn unsere Nachbarn wieder einmal versuchten, uns zur "Beseitigung" von Euch zu zwingen.

 

Wir habe alles miteinander durch gestanden, auch Deine Trächtigkeit und die Geburt von neun wunderbaren Welpen, auch wenn leider einer davon die Welt erst gar nicht kennen lernen durfte. Eine besonders fürsorgliche Mutter bist Du Deinen Kindern leider nicht gewesen. Du hast beizeiten die Verantwortung der Aufzucht und Erziehung an unsere rote Asta abgetreten.

 

Aber Du warst immer an der Seite von Diva, auch als sie so krank und auch manchmal unleidlich wurde, hast sie in ihrer letzten Zeit, als sie blind war, beschützt und warst ihr bis zum letzten Tag eine treue Begleiterin. Ihr beide habt mir so unendlich viel geholfen, als ich von meiner chronischen Krankheit erfuhr. Ihr habt einfach wie immer Euere Spaziergänge von mir eingefordert und so dafür gesorgt, dass ich auch heute noch laufen kann. Nicht auszudenken, wie es verlaufen wäre, wenn es Diva und Dich nicht gegeben hätte.

 

Als Diva uns viel zu früh verlassen musste, hast Du mit uns um den unbegreiflichen Verlust Deiner Gefährtin getrauert.

Hast uns, Deine Zweibeiner, in jeder Lebenslage immer so genommen, wie wir waren und noch sind. Dir ist es noch heute gleichgültig, ob ich nun tiptop frisiert bin oder modisch gekleidet. Dich stören keine Pfotenspuren auf meiner Jacke, keine vom Spaziergang durch Wald und Feld verschmutzten Schuhe. Dir ist es egal, wie jemand aussieht, Du gehst nur danach, wie er mit Dir umgeht. Du lebst tagtäglich nach Saint Exuperys Spruch: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt für das Auge unsichtbar.

Was könnten die Menschen nicht alles von Euch Hunden lernen, wenn sie nur dazu bereit wären.

 

Du bist mit uns zusammen gealtert. Du springst nicht mehr so oft wie früher, Du tobst auch seltener mit Deiner Tochter. Du schläfst mehr, aber Autofahren und Spaziergänge sind noch immer Deine große Leidenschaft. Dein Gesicht ist mittlerweile grau geworden. Unsere Spaziergänge aber sind wie immer, manchmal habe ich große Mühe, mit Dir mitzuhalten.

 

Wie unendlich traurig war ich, als bei Dir im November 2003 eine Herzmuskelerweiterung diagnostiziert wurde. Es war für mich unfassbar, denn trotz Deines hartnäckigen Hustens tobtest Du wie eh und je zusammen mit Deiner Tochter Ronja über Felder und Wiesen. Welch unbeschreiblicher Glücksmoment war es für uns, zu erfahren, dass der Tierarzt eine Fehldiagnose gestellt hatte.

Wenn ich in Dein liebes Gesicht sehe, ist es mir unbegreiflich, wie Menschen, wie unsere Nachbarn, ein Tier nur als Sache, als lästigen Störenfried betrachten können. Was wissen diese Leute schon von bedingungsloser Liebe und Treue, die uns miteinander verbinden.

Du bist eine liebe, alt vertraute Freundin, und ich bin unendlich dankbar dafür, dass Du uns nun schon fast zehn Jahre lang begleitest. Ich hoffe und wünsche, dass Du auch in den nächsten Jahren noch an meiner Seite sein wirst.

 

Breitenbrunn, den 19.05.2005

In Liebe und Dankbarkeit

Dein Frauchen Silvia

 

weiter zum Schlafplatz

 

 © Silvia Gabler 2005-2008