Grundvoraussetzungen

 

  

Grundvoraussetzungen

Sicher haben Sie schon beim Durchlesen des kleinen Eignungstestes bemerkt, dass ein Hundekauf gut überlegt sein will, denn mit dem Kauf alleine ist es nicht getan. Schließlich spielen auch die persönliche, die familiäre und nicht zuletzt die räumliche Situation eine große Rolle. Leider ist es noch immer so, dass viele Menschen sich den Kauf eines Autos besser überlegen, als die Anschaffung eines Hundes. Auch wird die Veränderung, die ein Lebewesen für die nächsten 10 oder 15 Jahre in der Familie mit sich bringt, häufig unterschätzt.

 

Familiäre Aspekte und der richtige Zeitpunkt

Auch wenn der Wunsch nach einem Vierbeiner noch so groß sein mag, sollte sich jeder kritisch fragen, ob jetzt gerade der passende Zeitpunkt dafür ist. Er ist es sicher nicht, wenn in naher Zukunft einschneidende persönliche Änderungen ins Haus stehen. Bei Scheidung, Arbeitsplatz oder Ortswechsel, längerer Auslandsaufenthalt oder sonstigem sollte die Anschaffung doch lieber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Aber auch im Vorfeld einer großen Familienfeier, eines längeren Urlaubs, einer erwartenden Niederkunft ist ein Hundekauf nicht das richtige.

Unter Umständen behält der Züchter "Ihren" Welpennach Absprache ein paar Wochen länger bei sich, aber natürlich nicht für Monate. In solchen Fällen sollten Sie sich lieber für den nächsten Wurf vormerken lassen, was unter Umständen ein Jahr oder länger dauern kann. Kurz vor oder nach der Geburt eines Kindes einen Welpen ins Haus zu holen, ist alles andere als empfehlenswert. Meiner Meinung nach, sind Kinder natürlich kein Hinderungsgrund für Hundehaltung, allerdings denke ich, dass das jüngste Kind mindestens 3 Jahre alt sein sollte, bevor man sich einen Hund ins Haus holt. Jüngeren Kindern kann man nicht verständlich machen, dass ein Hund auch einmal seine Ruhe braucht und kein lebendiges Spielzeug sein möchte und darf. Dass man auch ältere Kinder immer wieder daraufhin weisen muss, ist selbstverständlich.

Schon vor der Anschaffung sollten Sie klären, ob Ihre Familie mit dem vierbeinigen Zuwachs einverstanden ist und im Notfall auch bereit ist, dessen Betreuung zu übernehmen.

 

Räumlicher und örtlicher Faktor

Im Gegensatz zu manchen Vermittlern oder Züchtern sehe ich ein Haus mit Garten nicht als zwingende Grundvoraussetzung an. Was nutzen großes Haus und Garten, wenn der Hund nicht aus dem Grundstück herauskommt, weil die Arbeitssituation seines Besitzers diesem keinerlei Freizeit zugesteht. Wer viel unterwegs ist, dauernd unter Stress steht und hoffnungslos überlastet ist, tut weder sich noch dem Hund mit der Anschaffung einen Gefallen. Auch in einer Wohnung kann ein Setter sich wohl fühlen, sofern er genügend Auslauf bekommt. Mit einmal früh morgens und spätabends um den Block ist es natürlich nicht getan. Der nächste Park oder freies Gelände sollten in einem solchen Fall nicht allzu weit entfernt sein. Jeder Hund, nicht nur der Jagdhund, braucht seinen täglichen Auslauf und nicht nach fünf Wochentagen, die er nur auf dem Sofa oder im Körbchen verbracht hat, die große Wochenendtour. Für durchtrainierte, ausgewachsene Hunde kein großes Problem, aber für Welpen schon. Viele Menschen haben leider noch immer nicht begriffen, dass Welpen und Junghunde auf gar keinen Fall überfordert werden sollten.

Grundvoraussetzung bei der Wohnungshaltung ist natürlich, dass auch Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft mit der Hundehaltung einverstanden ist, dies gilt es im Vorfeld abzuklären, um böse Überraschungen zu vermeiden. Die Hochhauswohnung in der siebten Etage, inmitten einer Betonwüste, bei der zum Gassi gehen dann nur ein Grünstreifen neben der viel befahrenen Strasse dient, ist ganz sicher nicht das richtige Umfeld für jede Hunderasse, in einer solchen Situation einen Hund halten zu wollen, ist bestimmt kein Beweis von großer Tierliebe, sondern zeugt eher von Egoismus und Unverstand für die Bedürfnisse unserer Vierbeiner.

Allerdings möchte ich denjenigen widersprechen, die glauben, nur in ländlicher Umgebung wären Hunde richtig aufgehoben. Gerade auf dem Land gibt es heutzutage viele Vorbehalte gegen größere Hunderassen, wie es unsere Setter nun unbestreitbar einmal sind. Und auch hier wie dort kann Spazierengehen manchmal zu einem wahren Spießrutenlauf ausarten.

Faktoren wie die gute Erziehung des Hundes sind dabei eher untergeordneter Bedeutung, ein vollkommen verzogener, bissiger Kleinhund findet eher Anerkennung, als ein gut sozialisierter mit Zwei- und Vierbeinern verträglicher Hund mit über 60 Zentimeter Schulterhöhe.

 

Der Zeitfaktor

Dieser Faktor wird gerne bei Vorüberlegungen total außer Acht gelassen oder zumindest sehr unterschätzt. Für den täglichen Umgang mit dem Hund sollte man mindestens drei Stunden ansetzen. Fütterungszeiten, Pflege, Spiel und Beschäftigung sowie die täglichen Spaziergänge benötigen nun einmal ihre Zeit. Hinzu kommen noch die Besuche von Welpenspielstunden, später dann der Hundeplatz.

Natürlich beschäftigt sich der Hund auch mit sich selbst, was auf Dauer sicher nicht befriedigend für ihn sein kann. Ein unausgelasteter und damit gelangweilter Hund wird schnell zu einem, weil unerzogen und frustriert "ungezogenen" Hund. Falls Sie berufstätig sein sollten, muss die Möglichkeit vorhanden sein, für die erste Zeit und z.B außerplanmäßige Tierarztbesuche, sowie für die Krankenpflege Ihres Setters auch einmal einige Tage Urlaub nehmen zu können. Natürlich können Sie all das auch Ihrer Familie, Bekannten oder einem Hundesitter überlassen, sollten sich aber dann nicht wundern, wenn die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Vierbeiner eher oberflächlicher Art bleibt.

Zeit für artgemäße Beschäftigung sollte auf jeden Fall vorhanden sein, wobei es natürlich immer ein Streitpunkt bleiben wird, ob diese beim Setter zwangsläufig die jagdliche Führung sein muss. Meiner Meinung nach sind Agility, Flyball, Obedience,Rettungshundeausbildung oder Therapiehundeausbildung und Einsatz genauso geeignet. Wer das Thema noch vertiefen möchte, findet unter dem Menüpunkt Jagd das Für und Wider. Nicht zu vergessen bei alledem ist einen gewisse Kontinuität, denn es nutzt herzlich wenig, wenn Ihr Setter ein-zweimal im Jahr oder einige Monate und dann nie wieder gefordert wird.

Wer seinen Hund mit in die Arbeit nehmen darf, ist natürlich auf den ersten Blick zu beneiden. Allerdings stellt sich die Frage, wie viel Stress, bei einem Arbeitsplatz mit Publikumsverkehr dem Hund wirklich zu gemutet werden kann und darf. Auch stundenlanges unter dem Schreibtisch dösen wird sicher keinen Welpen oder jüngeren Hund auf Dauer gerecht werden, ältere Hunde mögen hier die Ausnahme von der Regel sein. Meines Erachtens ist die Mitnahme ins Büro nur dann zumutbar, wenn es sich um eine Halbtagsstelle handelt oder man selbstständig arbeitet und seine Zeit selbst einteilen kann. Ansonsten sollte auch bedacht werden, dass eine Zusage letztendlich wider zurückgezogen werden kann, was erhebliche Probleme mit sich bringt und Sie unter Umständen dazu zwingt, den Hund wieder abzugeben.

 

 Der Kostenfaktor

Wer sich einen niedlichen kleinen Welpen oder auch einen ausgewachsenen Hund ins Haus holt, möchte sich zu Beginn der hoffentlich wunderbaren, langjährigen Freundschaft darüber am liebsten gar keine Gedanken machen. Aber mit der Zahlung des Welpenpreises-in Deutschland meist zwischen 850 und 1500 Euro (manchmal auch wesentlich mehr) und die Kosten für eine Grundausstattung, wie Schlafplatz, Futternäpfe, Halsband und Leine ist es natürlich nicht getan. Futter und auch Pflegemittel schlagen in der Jahresbilanz auch zu Buche und je nach Gemeinde oder Stadt kann die Hundesteuer auch ein enormer Kostenfaktor sein, was sich besonders beim Zweit- oder Dritthund unangenehm bemerkbar macht, werden für diese doch häufig höhere Steuern als für den Ersthund angesetzt.

Während routinemäßige Tierarztbesuche zwecks Impfung und kurzem Gesundheitscheck noch überschaubare Kosten verursachen, kann es bei ernsthafteren Erkrankungen oder Unfällen des Vierbeiners richtig teuer werden. Zwar gibt es mittlerweile einige Krankenversicherungen für Haustiere, die aber beim zugrunde liegenden Preis-Leistungsverhältnis nicht wirklich empfehlenswert erscheinen. Unter Umständen ist es sinnvoller, einen gewissen Betrag dafür von vornherein auf ein Sparbuch einzuzahlen, oder monatlich eine gewisse Summe zurückzulegen.

Auch Ausbildung und Prüfungen, sowie das Vorstellen Ihres Setters auf Ausstellungen verursachen weitere Kosten, wobei neben den reinen Gebühren hierfür meistens noch Kosten für die An- und Abreise und eventuell für den Aufenthalt hinzukommen.

Wer züchten möchte, muss auch noch etliche Ausgaben für die dazu benötigten Bescheinigungen vom Zuchtbuchamt und Tierarzt (HD Röntgen, PRA, CLAD Untersuchungen: siehe auch Menüpunkt Gesundheit) einkalkulieren.

 

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© 2004-2008 Silvia Gabler