Der "richtige" Züchter

 

  

Leider ist es gar nicht so einfach, den richtigen Züchter zu finden.

Ein wirklich zuverlässiges Qualitätssiegel gibt es, entgegen anderer Behauptungen, nämlich nicht. Ein VDH Züchter muss nicht zwangsläufig besser sein, als ein sogenannter Dissidenzzüchter, der in einem, vom VDH und FCI nicht anerkannten, Verein züchtet.

 

Wer bereits mit dem Hintergedanken kauft, später einmal selbst zu züchten, wobei man sich bei einem Welpen im Klaren sein sollte, dass selbst die beste Verpaarung keine Garantie für eine spätere Zuchtzulassung ist, ist mit einem FCI/VDH Setter sicher besser bedient. Zum einem ist die Zuchtbasis, sprich die Anzahl der zur Verfügung stehenden Deckrüden und Zuchthündinnen bedeutend breiter, sodass man bei der Verpaarung auch eine Auswahl treffen kann, während man als Züchter in Dissidenzvereinen, besonders bei den, bei uns doch recht selten gezüchteten Rassen wie ES und IRWS den nächst besten Deckrüden nehmen muss. Zum anderen ist natürlich auch die Betreuung der Rassen weitaus intensiver. Schließlich sind die entsprechenden Vereine nur auf Pointer und Setter oder auch nur auf eine Setterrasse spezialisiert. Nachteil ist, dass zum Erlangen der Zuchttauglichkeit noch immer jagdliche Prüfungen zwingend vorgeschrieben sind. Ist man Nichtjäger, muss man seinen Setter von einer Person mit Jagdschein (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel) zu diesen Prüfungen führen lassen. Einzige wirklich Ausnahme ist hier der Verein für Irish Red Setter. Der ISCD bietet neben der Leistungszucht auch die Möglichkeit, diese Rasse rein auf Formwert, sprich: ohne Nachweis der jagdlichen Eignung durch entsprechende Prüfungen, zu züchten.

 

Ich denke auch nicht, dass die Anzahl der gezogenen Würfe pro Jahr unbedingt etwas über die Qualität der Zuchtstätte und Hunde aussagt. Es gibt auch Züchter, die auf Masse statt Klasse setzen. Langjährige Erfahrung ist auch nicht alles und Routine macht bekanntlich auch Fehler.

 

Sicher neigt man als Käufer dazu, sich erst einmal bei den Züchtern in der näheren Umgebung umzusehen, wobei natürlich der nächstgelegene Züchter nicht unbedingt der Beste sein muss. Ein gewisser Vorteil ist nur darin zu sehen, dass man Züchter und Welpen öfters besuchen kann. Die Adressen von Setterzüchtern erfährt man am besten über die entsprechenden Vereine (siehe Adressenliste) oder eventuell über Bekannte, die bereits einen Setter haben und den Züchter weiterempfehlen können.

 

Ein Besuch bei den Züchtern, nach vorheriger telefonischer Absprache lohnt sich auch, wenn im Moment kein Wurf gefallen sein sollte, oder derzeit noch keine Wurferwartung ansteht. Sehen Sie sich Zuchtstätte, Mutterhündin, eventuell den Deckrüden und den Züchter und den Umgang mit seinen Hunden sehr genau an. Haben die Hunde Angst vor diesem, was nicht mit Respekt verwechselt werden darf, sollten Sie lieber nach einem anderen Züchter umsehen.

 

Immer wieder sehe ich mich Erstaunen, dass im TV und in diversen Zeitschriften ahnungslosen Erstkäufern vermittelt wird, man müsste Mutterhündin und Deckrüden besichtigen können. Richtig ist, dass die Mutterhündin anwesend sein sollte. An dieser Stelle darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass dies in wenigen Fällen nicht möglich sein kann, weil die Hündin unter Umständen die Geburt nicht überlebt hat oder infolge nachgeburtlicher Komplikationen verstorben ist. Kaufinteressenten, die schon vor dem Wurf Kontakt zum Züchter hatten, sind in solchen Fällen im Vorteil, da sie die Angaben des Züchters auch nachvollziehen können. Der Deckrüde wird in den wenigsten Fällen anwesend sein, da er sich in der Regel nicht im Besitz des Züchters befindet. Die meisten Züchter scheuen, zu Recht, die Komplikationen, die eine gemeinsame Haltung von Rüden und Hündinnen zwangsläufig mit sich bringt. Wer hat schon die Möglichkeit, zweimal im Jahr für mehrere Wochen die Hunde auseinander zu sperren oder gar wegzugeben. Außerdem ist die Konkurrenz mehrerer Hündinnen um die Gunst eines Rüdens untereinander nicht zu unterschätzen, was zu Kämpfen zwischen den Rivalinnen führen kann. In der Regel darf es sowieso nur eine Wiederholungsverpaarung geben, auch erscheint es nicht sinnvoll, immer den selben Deckrüden, wenn auch bei verschiedenen Hündinnen, einzusetzen.

 

Misstrauen ist allerdings geboten, wenn bei einem langjährigen Züchter nur junge Hunde im zuchtfähigem Alter vorhanden sind. Hier spricht vieles dafür, dass Hündinnen nach dem 8. Lebensjahr abgeschoben werden.

 

Boxen in alten düsteren Ställen, viel zu kleine Zwinger, der Schrebergarten oder ein alter Hinterhof sind nicht die richtigen Aufenthaltsorte für die Hunde und erst Recht nicht für Welpen. Achten Sie auch darauf, dass für die Hunde genügend Abwechslung vorhanden ist und sie bei Zwingerhaltung "netter ausgedrückt" Freilandaufzucht, mit ins Haus des Züchters dürfen und somit Familienanschluss vorhanden ist. Ein blitzblankes Haus, ohne die geringsten Kratz- und Bissspuren an Türen und Möbeln, frei von jeglichen Hundehaaren, ist nicht unbedingt ein Indiz für einen besonders korrekten Züchter, sondern zeigt eher, dass die Hunde sich nicht im Haus aufhalten dürfen, sondern im Keller, Stall oder Zwinger ihr Leben fristen.

 

Ein völlig isoliert aufgewachsener Welpe, der tagein, tagaus nur das Gitter des Zwingers oder die ordentlich geweißte oder geflieste Wand des Welpenzimmers sieht, wird Ihnen später sicher mehr Probleme als Freude bereiten. Die Umgebung für alle Hunde sollte abwechslungsreich und keinesfalls reizarm gestaltet sein.

 

Züchter, die ihre Welpen durch viele Umweltreize, wie Besucher, Ausflüge usw. frühzeitig prägen, sind Züchtern, die ihre Welpen, aus welchen Gründen auch immer, unter Verschluss halten, unbedingt vorzuziehen. Die Prägung in den ersten Wochen ist meist entscheidend für das weitere Hundeleben und sollte keinesfalls, weder von Käufer noch Züchter, unterschätzt werden.

 

Züchter, die auf Ihre Nachfragen ungehalten und entnervt reagieren, sollte man besser links liegen lassen.

 

Natürlich kann es trotz optimal erscheinender Verpaarung und bei noch so sorgfältiger Auswahl der Elterntiere doch einmal passieren, dass ein Welpe von vornherein nicht dem Standard entspricht. Wenn Sie keinerlei Zuchtambitionen aufweisen und einen reinen Liebhaberhund möchten, ist das nicht besondere tragisch, jedoch sollte der Züchter Sie darauf hinweisen und auch Abstriche beim Preis für solch einen Welpen machen. Ein Züchter, der versucht, Ihnen einen fehlerhaften Welpen zum vollen Preis zu verkaufen, ist alles andere als seriös.

 

Bei unseren Setterrassen sollten Sie neben dem Ergebnis der HD-Untersuchung, die zwingend vorgeschrieben ist, beim Irish Red Setter und beim Irish Red and White Setter auch nach dem PRA- und nach dem CLAD Test fragen und sich die entsprechenden Bescheinigungen der Elterntiere in schriftlicher Form vorzeigen lassen. Beim English Setter empfiehlt es sich, die Bescheinigung und das Ergebnis eines medizinischen Hörtestes (audiometrischer Test oder BAER) vorlegen zu lassen, um erbliche Taubheit auszuschließen. Seriöse Züchter werden dieser Bitte gerne nachkommen, auch wenn nicht alle oben genannten Untersuchungen für die Erlangung der Zuchttauglichkeit vom jeweiligen Verein zwingend vorgeschrieben sind.

 

Ein Züchter sollte sich bei Ihrem Besuch auch Zeit für Sie nehmen. Schließlich liegt es auch in seinem Interesse, die Leute, die einen Welpen von ihm möchten, möglichst gut kennen zu lernen und das geht nicht bei einem Gespräch zwischen Tür und Angel. Sollte ihm wirklich einmal etwas dazwischen kommen, wird er den Termin mit Ihnen rechtzeitig absagen und einen neuen vereinbaren.

 

Sicher wird er Ihnen während eines persönlichen Gespräches etliche Fragen nach Ihren persönlichen Verhältnissen stellen und Ihnen, unter Umständen vom Kauf zum jetzigen Zeitpunkt oder überhaupt, abraten. Ein verantwortungsvoller Züchter wird Sie auch nicht zu einer sofortigen Entscheidung drängen, sondern Ihnen etwas Zeit lassen. Auch dafür, dass Sie sich eventuell erst nach der Wurfbesichtigung festlegen möchten, ob ein Welpe gerade aus diesem Wurf für Sie überhaupt in Frage kommt, hat ein wirklich guter Züchter Verständnis. Verständlicherweise kann er Ihnen einen bestimmten Welpen aber nicht endlos lange reservieren, da es ja in seinem Interesse liegen muss, die Welpen spätestens mit 10 Wochen in geeignete Hände abzugeben. Sollten Sie sich zwischenzeitlich anders entscheiden, sollten Sie umgehend Bescheid geben, damit der Züchter umdisponieren kann.

 

Falls gerade kein Wurf liegen sollte, oder bereits alle Welpen vergeben sind, wird Sie der Züchter auf die Warteliste für den nächsten Wurf setzen oder Ihnen einen Züchterkollegen empfehlen.

 

Züchter, die ihre Welpen in den Himmel loben und dabei nicht davor zurückschrecken, ihre Kollegen zu diskreditieren, sollte man besser meiden.

 

Die Wartelisten können natürlich keine Garantie sein, dass Sie einen Welpen des nächsten Wurfes bekommen. Kein Züchter kann wirklich Einfluss auf die Wurfstärke oder gar die Geschlechterverteilung nehmen.

 

Zwischen Interessenten und Züchter sollte auch "die Chemie stimmen", denn es ist für beide Seiten unbedingt erstrebenswert, auch nach Übergabe des Hundes miteinander im Dialog zu bleiben. Hier sind natürlich beide Seiten gleichermaßen gefragt.

 

Ein seriöser Züchter wird ihnen auch Futter für die Übergangszeit, sowie Haltungs- und Ernährungsratschläge mit auf dem Weg geben. Manche Züchter geben überdies ihre Welpen mit einer Grundausstattung ab, was besonders bei Ersthundekäufern durchaus sinnvoll ist. Einige verlangen  einen Preisaufschlag, eine Art Kaution die  nach dem HD Roentgen, sofern Sie das Ergebnis dem Züchter mitteilen, wieder zurückerstattet wird.

 

Sehen Sie dies nicht als Überwachung oder Gängelei an, sondern als Beweis dafür, dass man hier gewissenhaft seine Nachzucht überprüft.

 

Ihr Züchter wird auch in Zukunft für Rückfragen jederzeit ein offenes Ohr haben, sofern Sie es nicht damit übertreiben. Auch Züchter haben eine Privatsphäre und nicht immer kommt Ihr Anruf oder Besuch zum passenden Zeitpunkt.

 

Seriöse Züchter werden ihre Welpen ein Leben lang begleiten, und Ihnen als Hundehalter mit Rat und Tat beiseite stehen, ob es nun um alltägliche Fragen handelt oder um Ausstellungen, jagdliche Prüfungen und die eventuelle Erlangung der Zucht- bzw. Deckerlaubnis.

 

Die Tatsache, ob der Züchter nun Welpentreffen anbietet oder nicht, ist nicht unbedingt ein entscheidendes Kriterium für seine züchterischen Qualitäten, zeigt aber immerhin, dass er auch lange nach Abgabe seiner Welpen noch einen gewissen Bezug zu ihnen hat.

 

Unangenehm sind dagegen diejenigen, die sich in alles einmischen und Ihnen bis ins kleinste Detail Vorschriften machen möchten. Leider ist das nicht immer schon vor dem Kauf offensichtlich. Hier empfiehlt sich ein gewisser Rückzug, den ein guter Züchter bis zu einem gewissen Grad auch akzeptieren wird.

 

 

                                                                                                                                                           weiter zu Idealkäufer  

 

 

© 2005 -2016  Silvia Gabler