Gedanken einer Mehrfachhunde und Katzenhalterin über die Gemeinschaftshaltung von Hund`und Katz`

 

  

Noch immer herrscht leider Bei vielen Menschen die Meinung, Jagdhunde wären die Feinde aller Katzen. Bedauerlicherweise musste ich dies vor einiger Zeit sogar von einem Vertreter von "Jagdhunde in Not" im Fernsehen hören, was mich einerseits maßlos erstaunte, andererseits ungemein ärgerte. Das Verhalten, das ein Hund fremden Katzen gegenüber draußen zeigt, muss nämlich noch lange nicht identisch mit dem Verhalten sein, welches er innerhalb seines Revieres mit vertrauten Tieren an den Tag legt. Viele meiner zweibeinigen Setterfreunde halten Katzen und Jagdhunde, genau wie wir, schon über Jahre zusammen, ohne dass es zu nennenswerten Zwischenfällen kam. Natürlich ist das eine Frage der Erziehung, Hund und auch Katze müssen frühzeitig erfahren, dass bestimmte Verhaltensweisen der anderen Spezies gegenüber von ihren Zweibeinern keinesfalls geduldet werden.
Nun gibt es für eine gemeinschaftliche Haltung von Hunden und Katzen leider - wie überall im Leben eben kein "Schema F" oder gar das "Patentrezept" - obwohl man sich diese natürlich schon des öfteren wünschen würde. Aber Hund ist - letztendlich doch zum Glück - nicht gleich Hund und Katze nicht gleich Katze.

Wagen es meine Setter zum Beispiel einmal, die Katzen zu beknabbern oder auch spielerisch zu attackieren, so endet das in den meisten Fällen mit Ohrfeigen und Kratzern durch die zwar deutlich kleineren, dafür aber meist frecheren Katzen für die "Angreifer".
Und versperrt einmal ein dominanter Hund den Katzen den Weg, so ist doch zumindest die ordinäre Hauskatze gewitzt genug, unter oder auch über dem Hund doch noch zu ihrem Fressnapf zu gelangen. Weniger dominante Hunde dagegen werden einfach zur Seite "gedrängt" oder auch verjagt. Leider habe ich es in nunmehr einundzwanzigjähriger gemeinschaftlicher Haltung bis heute immer noch nicht geschafft, den lieben Tieren beizubringen, die Näpfe und hauptsächlich deren Inhalt der jeweils anderen Spezies zu respektieren bzw. links liegen zu lassen. Dies ist vielleicht??möglich, wenn man von jeder Sorte nur ein Exemplar besitzt, aber auch da hege ich so meine Zweifel. Ein einziger, unbeobachteter Augenblick und der Hund verspeist genüsslich das Katzenfutter, während die Katze still und leise den Hundenapf für sich "erobert"!


Der spätere Umgang der Tiere miteinander ist, meinen Erfahrungen nach, sehr stark davon abhängig, welchen Rang Hund(e) und Katze(n) im "Rudel" einnehmen bzw. erkämpfen konnten. Ein Beispiel dazu, während unsere - leider bereits verstorbene - Alphahündin Diva, sich den im Haus geborenen und aufgezogenen Welpen unserer "Chefkatze" Farah zu jeder Zeit nähern und die Kätzchen auch abschlecken durfte, wurde unsere rangniederige Hündin Olympia sofort attackiert. Dies ging teilweise soweit, dass, sobald ein Katzenwelpe, aus welchen Gründen auch immer, nur quietschte, eine sofortige Strafaktion gegen die meist unschuldige Hündin einsetzte, an der sich mehrere!! Kätzinnen beteiligten. Selbstverständlich wurde von uns schlichtend eingegriffen.

Aspekte und Problematik der gemeinsamen Haltung von Hund(en)und  Katze(n) sind mit Sicherheit so komplex, dass sie in einem kurzen Artikel gar nicht befriedigend abgehandelt werden können.

Das Buch von Dr.Gabriele Lehari "Hund und Katze unter einem Dach" habe ich leider (noch immer) nicht gelesen, obwohl zu diesem Thema - meines Wissens außer dem erwähnten Buch keine weiteren Bücher auf dem Markt existieren. (Vielleicht sollte ich einmal selbst eines schreiben??)

Aber, um zum Wesentlichen zurückzukommen, trotz meiner überwiegend positiven Erlebnisse, bin ich nach wie vor der Ansicht, dass es doch Hunde gibt, die sich niemals an eine Katze in ihrem Revier gewöhnen, während auch einige Samtpfoten einen bellenden Hausgenossen nie akzeptieren werden. Mit Gewalt erzwingen kann und darf man das Zusammenleben in diesen speziellen Fällen keinesfalls. Man geht sonst das Risikio von schweren Verhaltensstörungen bei den betroffenen Tieren ein, die sich unter Umständen in gegenseitigen Aggressionen äußern, bei denen sich die beteiligten Tiere böse verletzen oder im Extremfall sogar töten könnten. Hier sollte der Halter vernünftig genug sein, sich rechtzeitig vom neu hinzugekommenen!!Tier zum Wohle aller zu trennen. Leider wird dann doch oft das alteingesessene Haustier abgeschoben, was mir persönlich unverständlich erscheint. Zum Glück stand ich bis zum heutigen Tag noch nie vor einer derart schwerwiegenden Entscheidung.

Die größten Chancen für ein einigermaßen reibungsloses Zusammenleben solcher doch sehr verschiedenen Tiere sind wohl gegeben, wenn man einem erwachsenen Hund eine Jungkatze, einer ausgewachsenen Katze dagegen einen Hundewelpen zugesellt. Auch die Konstellation Katzen - und Hundewelpe erscheint vielversprechend.

In der Regel gilt, je länger ein Tier"Alleinherrscher" in seinem Reich war, desto schwieriger und langwieriger der Gewöhnungsprozess!
Wer nun glaubt, dass dann zwangsläufig irgendwann die "große Liebe" zwischen Hund und Katz ausbrechen müsste, unterliegt einem Irrtum, in vielen Fällen wird es wohl eher bei einem ambilvalenten Verhältnis bleiben. So duldete unsere Gordon Setter Hündin Diva, die mit eineinhalb Jahren unsere "Chefkatze" Farah mehrere Wochen lang säugte, in den späteren Jahren - ganz im Gegensatz zu den hinzugekommenen Setterdamen - keinerlei Schmusereien, wie Köpfchengeben, Liebesbisse usw. mehr. Allerdings muss zu ihre Verteidigung gesagt werden, dass die nur drei bis vier Kilo schweren Hauskatzen im täglichen Umgang mit den immerhin fünfundzwanzig bis dreißig Kilo schweren Settern doch reichlich brutal werden können, was auch des öfteren die Zweibeiner schmerzlich zu spüren bekommen.  

An dieser Stelle seien nochmals all diejenigen gewarnt, die glauben jederzeit eine nahezu paradiesische, absolut aggressionsfreie Idylle erleben zu dürfen. Dies klappt ja bekanntlich nicht einmal zwischen den Angehörigen der selben Spezies, egal ob Mensch, Katze oder Hund. 

Viele glauben, dass Katze und Hund keine schlechten Erfahrungen miteinander machen dürfen. Dies ist aber in der täglichen Praxis kaum realisierbar, wobei Ausnahmen auch hier die Regel bestätigen. Über kurz oder lang werden alle Lebewesen auch negative Erfahrungen machen müssen. Kontrolliert und in einem gewissen Maß sind diese sogar als positiv zu betrachten. So läuft Hund oder Katze dann eben nicht so schnell in Gefahr, sich außerhalb des schützenden Heims der jeweils anderen Spezies allzu unvoreingenommen zu nähern. Hier kann nämlich gesundes Misstrauen, natürlich besonders seitens der Katze, durchaus lebensrettend sein. Aber auch ein Hund kann erhebliche Blessuren erleiden, falls er zum Beispiel unversehens auf eine alten kampferprobten Kater trifft. Ein oder mehrere Negativerlebnisse innerhalb der Gemeinschaft müssen aber nicht zwangsläufig zu einem Dauerkriegszustand führen. Unsere Katzen, die schon des öfteren "unter" die Setter kamen, nähern sich bei nächster Gelegenheit diesen wieder unverdrossen. Einige machen sich sogar regelrecht einen Spaß daraus, die Hunde zu reizen, um dann auf dem nächsten Balken oder dem sicheren Schrank zu entschwinden. Nach einer gewissen, meist recht kurzen Phase des Rückzuges kehrt im allgemeinen wieder Normalität ein.

Das Jagen, oder besser ausgedrückt den Versuch dazu, fremder Katzen habe ich jedoch bis heute meinen Hunden nicht abgewöhnen können, obwohl wir ihnen jedesmal sehr deutlich zeigen, dass wir ihr Verhalten nicht dulden.

Trotzdem bin ich nach wie vor auch noch nach über zwanzigjähriger Praxis, der Ansicht, dass fast jeder, der sich, sei es durch Zufall, Planung oder auch Notfall oder ..... auf das Abenteuer einer gemeinschaftlichen Haltung von Hund(en) und Katze(n) einlässt, wesentlich mehr Spaß und Freude, als negative Erlebnisse damit haben wird.

2015 Nachdem jetzt uns auch unsere Julia im Frühjahr verlassen hat, ist nun eine katzenfreie Zeit angebrochen. Ich schwanke derzeit noch immer zwischen "wieder zwei Kätzchen" und "beide Hunde sind schon zu alt, um sich noch einmal auf zwei Katzen einzustellen". Ich denke, dass, zumindest 2015, kein neues Tier ins Haus kommen wird, dann werden wir weitersehen, Ausgang ungewiss.

 

                                                                                                                                                    weiter zu Kleinkriminalität              

 


© 2002-2015 Silvia Gabler