Undine

 

 

 

 

*04.12.2003 - 06-04-2017

 ............Und wenn ich nun Bilanz ziehen soll, muss ich sagen, dass wir trotz der vielen Meinungsverschiedenheiten, die es zwischen Dir und uns Zweibeinern gab und immer noch gibt, noch keinen Tag wirklich bereuen mussten, Dich zu uns genommen zu haben.

 

Du stellst immer noch jeden Tag eine neue Herausforderung für uns dar, bist nun wirklich kein bequemer Hund, kein williger Befehlsempfänger, kein Ersatz für Diva, sondern durch und durch individuell, ein ganz besonderer Hund,  mit vielen Ecken und Kanten eben.

 

"Geh nicht auf dem vorgezeichneten Weg, der nur dorthin führt, wo andere bereits gegangen sind" Alexander Grahm Bell. So endeten im Adventskalender 2006 meine Geburtstagswünsche zu Deinem dritten Wiegenfest . Inzwischen sind über neun weitere Jahre wie im Flug vergangen, vieles hat sich verändert und nicht all meine Wünsche für Dich haben sich erfüllt, aber meine obige Bilanz ist die selbe geblieben.

 

Nun sitze ich hier und schreibe,  wieder einmal an Dich und werfe einen, teilweise wehmütigen, Blick zurück in Deine und damit natürlich auch in unsere Vergangenheit.

 

Ich erinnere mich nur zu gut, wie Du in unsere Haus kamst, und Dich erstaunlich schnell mit Ronja angefreundet hattest, obwohl wir damals befürchtet hatten,  sie wäre diejenige, die Dich von den Rudelmitgliedern am wenigsten akzeptieren würde. Sie war Dir eine Art Ersatzmutter und lange Jahre auch eine ausgelassene, ebenbürtige Spielgefährtin. Als sie, viel zu früh, gehen musste, hast Du in Aglaia, die Du ja schon als Welpe kennenlernen durftest, eine liebe Freundin gefunden, aber leider ist auch sie  ihrer Schwester in eine vor uns Lebenden verborgene Welt gefolgt. Nun musstest Du Dich mit einer vollkommen neuen Situation und zudem mit der alten Dame Minnie und nicht zuletzt mit Eve arrangieren, kein leichtes Unterfangen und bestimmt kein besonders gutes Jahr für Dich und für uns alle.

 

In vielen Dingen aber hat sich nichts geändert, Du bist noch immer sehr zurückhaltend mit anderen Zweibeinern. Dein großes Mundwerk gegenüber all den bellenden Vierbeinern hast Du Dir in all den Jahren bewahrt, Du scheutest nicht einmal davor zurück, Dich-größenwahnsinnig - wie Du bist, mit dem stattlichen Doggenrüden unsere neuen Nachbarn hier anzulegen. Zu Deinem und unserem Glück hatte er wesentlich bessere Manieren als Du und ließ sich auch von Deiner gewaltigen"Hyänenmähne", die Du in solchen Situationen immer geradezu gekonnt zur Schau trägst, nicht weiter beeindrucken.

 

Leider bist Du auch immer noch der Ansicht, dass Tamara und ich im Bestfalle gleichrangige Rudelmitglieder wären und man nur auf das Seniorherrchen, gelegentlich auch auf das Juniorherrchen hören sollte und auch muss.

Und so ist es uns bis heute, trotz all unserer Bemühungen nicht wirklich gelungen, Dich in dieser Überzeugung zu beirren.

 

So hast uns in den vergangenen Jahren in so manche peinliche Situation gebracht, in der man als Zweibeiner im Gesicht puderrot anläuft, und vor Scham über diesen "unmöglichen" Hund augenblicklich im Erdboden versinken möchte . Manchmal hege ich insgeheim auch die Befürchtung, dass Du urplötzlich explodieren würdest und Mephisto, statt Deiner, vor mir stünde und mich, wie einst Faust - frei nach Goethe - die bedeutungsschweren Worte sagen lässt: "Das also war des Gordons Kern!"

 

Und doch hast Du uns auch jede Menge Freude bereitet, uns in vielen Dingen durchaus positiv überrascht. Dein ganz besonderes feiner Draht zu Deinen Zweibeinern sorgt wie eh und je dafür, dass Du noch immer die Erste, warst und bist, wenn es darum geht, sie zu trösten. Es ist wunderbar, gerade in der jetzigen Situation, eine liebe Freundin wie Dich zu haben. Allerdings bist Du im Alter sehr eigen geworden, und Frauchen hat Dir nach wie vor nichts zu sagen, nur wenn es Dir genehm ist, reagierst Du manchmal auf auch sie.

 

Das Merkwürdigste an Dir ist aber, dass Du Dich im Garten niemals hinsetzt oder gar hinlegst, das ist absolut unter Deiner "Würde". Lieber enterst Du dazu eines der Sofas im Wohnzimmer oder nimmst auf dem gefliesten Boden Platz. Du bist der erste Hund bei uns, der aus unerfindlichen Gründen dieses ungewöhnliche Verhalten an den Tag legt.

 

Nur ein einziges Mal mussten wir uns um Dich große Sorgen machen, Deine Eierstöcke waren voller Zysten und mussten entfernt werden. Zäh, wie Du bist, hast Du Dich rasch wieder erholt. Nun hast Du seit gut einem Jahr eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Diagnose, die ich eigentlich kaum glauben kann, denn Du bist genauso wuselig wie immer.

 

Du spielst noch immer, wenn auch  nicht mehr so oft wie früher,   gerne mit dem Ball, liebst nach wie vor ausgiebige Spaziergänge, zerwühlst mit Vorliebe frisch gemachte Betten, versuchst aus dem WC zu trinken und stiehlst, wenn man Dich gerade nicht beobachtet, alles mögliche Fressbare vom Küchen- oder Esstisch.

 

Deshalb lautet meine Bilanz nach über 12 Jahren  Undine bei uns zuhaus', um es frei mit unserem früheren Bundespräsidenten Johannes Rau zu sagen:

 

"Als Hund ist und bleibt sie eine Katastrophe, als Mensch ist sie aber unersetzlich"

Rest  in peace!

 

                                                                                                                                                                 weiter zu Sydney

 

 

© 2017 Silvia Gabler