Olympia

 

 

19.05.1995-29.07.2005

 

If it be the chief point of friendship to comply

with a friend's motions and inclinations

he possess this in an eminent degree,

he lies down when I sit and walks when I walk,

which is more than many good friends can pretend to do.

 

Alexander Pope




"Olympia"

Nachdem wir, schon bedingt durch unsere Gordon Setter Hündin Diva, uns immer mehr und mehr mit den Settervarietäten befassten, wuchs in uns auch der Wunsch, Diva noch einen weiteren Setter zu zugesellen. Ehrlich gesagt, hatten wir damals noch keine Ahnung, dass es vier Setterrassen gibt. Durch einen Zufall erfuhren wir, dass neben den bekannten Setterarten noch der Irish Red and White Setter existieren würde, eine bei uns sehr seltene und fast unbekannte Setterart. Diese Hunde sollten noch sehr ursprünglich, robust und auch angeblich leichtführiger und ruhiger als die bekannteste Art, der Irish Red Setter sein. Nach ausführlichen Überlegungen und heißen Diskussionen innerhalb der Familie (Mutter hatte ihren Kopf durchgesetzt) stand schließlich fest, dass wir eine Irish Red and White Setter Mädchen ins Haus holen würden. Da bei uns auf dem europäischen Festland, nur wenige Würfe pro Jahr fallen, war dies allerdings leichter gesagt, als getan. Nach einer herben Enttäuschung mit einem Züchter im hohen Norden, wurden wir schließlich in der Pfalz fündig. Dort wurde bei einem Züchter in Kürze ein Wurf erwartet. Im Mai 1995 erhielten wir schließlich die gute Nachricht, dass zehn Irish Red and White Setter Welpen das Licht der Welt erblickt hätten. Als die Welpen gerade einmal drei Wochen alt waren, suchten wir uns „unsere Olympia" aus dem Wurf aus. Damals war für uns die Farbe und Farbverteilung sehr wichtig. Heute würden wir mit Sicherheit nach anderen Kriterien auswählen. Voller Ungeduld zählten wir von dort ab die Tage, bis unser Baby bei uns Einzug halten würde. Nach einer langen, für alle Beteiligten sehr anstrengenden Fahrt, war es dann endlich soweit.

Leicht hatte es unsere Olympia allerdings von Anfang an nicht bei uns. Diva war eine sehr strenge, unduldsame Lehrmeisterin, die die aufdringliche Art der Kleinen häufig bestrafte und ihr ihre eigenen Regeln aufdiktierte. Aber Olympia war sehr anpassungsfähig und, zumindest oberflächlich gesehen, unterwürfig. Die Vormachtstellung unsere Gordon Setter Hündin wurde niemals durch sie gefährdet. Leider hatte Olympia eine ausgeprägte Vorliebe für Holz, sodass im Laufe der Zeit mehrere Möbelstücke daran glauben mussten. Diese Vorliebe hat sie wohl auch an ihre Kinder weitervererbt.

Nach vielen Wenn und Aber beschlossen wir, Olympia, genau wie vorher unsere Diva, auf einigen Ausstellungen vorzustellen. Schließlich bekam sie auch noch die Zuchtreife. Einen Wurf wollten wir ihr zulassen und so wurde sie, nach einem vergeblichen Versuch im Winter davor, im Juli 1999 gedeckt. Im September 1999 kamen acht Welpen auf die Welt. Allerdings war Olympia nicht gerade das, was man eine gute Mutter nennt. Wir hatten alle Hände voll zu tun, sie davon zu überzeugen, dass die Welpen zu ihrem Recht, sprich zur Milchquelle, kommen mussten. Allzu gerne gab sie auch dann die Betreuung und Erziehung der Kleinen an unsere damals zweijährige Irish Red Setter Hündin Asta, die seit November 1997 aus unserem Duo ein Trio machte, ab .Asta war eine geduldige und einfühlsame Lehrmeisterin für die Welpen. Die Vermittlung war extrem schwierig, da die meisten Interessenten den eleganteren Irish Red Setter dem athletischen Irish Red and White Setter dem Vorzug gaben, auch erschienen uns viele Bewerber nicht geeignet.

Als wir nach langer Zeit endlich für alle geeignete Plätze gefunden hatten, so glaubten wir jedenfalls damals noch, wurde uns Aphrodite zurückgebracht. Olympia verstand sich ausgezeichnet mit ihrer Tochter. Einziger Wehrmutstropfen in unserem damaligen Viererrudel war, dass sich Olympia und Asta nach einigen sehr hässlichen Querelen aus dem Weg gingen. Ein Umstand, der leider auch nach dem viel zu frühen Tod unserer geliebten Diva, Bestand hatte. Inzwischen schien Olympia im Dreierrudel die Vormachtstellung zu haben. Ob dies allerdings von Dauer sein würde, war noch zu bezweifeln. Wir wussten Olympias liebes, wenn auch  sehr ungestümes Wesen sehr zu schätzen.

Nachdem wir eine lange Zeit mit Olympia so gut wie sorgenfrei zusammenleben durften, bekam sie im Herbst 2003 einen hartnäckigen Husten, der jeder Behandlung, sowohl durch Antibiotika, als auch durch Homöopathika hartnäckig trotzte. Wirklich krank, im Sinne von Konditionsverlust war sie nie, aber der andauernde Husten war einen starke Belastung für Olympia und uns. Viele Tierarztbesuche folgten. Ende November, nachdem wir einen zweiten Tierarzt zu Rate gezogen hatten, dann der Schock für uns, der Veterinär diagnostizierte eine Herzmuskelerweiterung „Dilatative Cardiomyopathie, kurz DCM". Er versicherte uns, dass das mit Medikamenten in den Griff zu bekommen wäre, aber meine sofortige Suche im Internet brachte ein niederschmetterndes Ergebnis. Beim Menschen ist DCM die häufigste Indikation für eine Herztransplantation! Zum Glück bauten mich einige liebe Mitmenschen aus einer der Mailinglisten, in denen ich Mitglied bin, wieder auf, indem sie mir erzählten, dass sie ähnliche Diagnosen bei hartnäckigem Husten erhalten hätten, die sich allesamt als Fehldiagnosen herausgestellt hätten. Zu meiner Erleichterung war das auch bei Olympia der Fall. Allerdings ließ sich die genaue Ursache damals nicht klären, auch eine Endoskopie im April brachte keine wirklich brauchbaren, schlüssigen Ergebnisse. Inzwischen waren die Hustenanfälle verschwunden und wir hofften natürlich sehr, dass das auch in Zukunft so bleiben würde. Am 20.Mai 2004 konnte Olympia dann auch bei guter Gesundheit ihren neunten Geburtstag feiern und wir wünschten uns, dass wir noch viele Male mit ihr feiern könnten.und dann kam kurz nach ihren zehnten Geburtstag doch alles ganz anders.

29.07.2005 Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber heute ist ein unersetzlicher Teil mit Olympia von mir gegangen. Ich bin immer noch fassungslos, wie ein Leben, gerade wie eine Kerze, innerhalb kürzester Zeit erlöschen kann. Farewell, my Baby!

24.07.2008 Wie wir heute wissen, hatte der Tierarzt mit DCM zwar eine Fehldiagnose gestellt, aber im Prinzip doch Recht behalten. Es handelte sich um eine Herzgeschichte. Nicht der Herzmuskel war stark erweitert, vielmehr wuchs  ein Tumor am Herzen, der letzendlich am 28.07.2005 aufbrach. Trotzdem sind wir noch heute froh, uns nicht auf die medikamentöse Behandlung der vermeintlichen DCM eingelassen zu haben. Mit Sicherheit wäre dann der Tod viel früher eingetreten und wir hätten keine unbeschwerte Zeit mehr miteinander verleben dürfen.

 

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© 2000 - 2016 Silvia Gabler

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