Das richtige Alter

 

  

Das "ideale" Alter

Vorab, natürlich gibt es "das ideale Alter nicht wirklich, es liegt genau wie Schönheit, immer an der individuellen Sichtweise des Betrachters.

Natürlich ist ein Welpe besonders lernfähig. Allerdings muss er in jedem Fall durch den Halter erzogen werden, und bringt nicht alles schon vom Züchter aus mit. Selbstverständlich hat er beim Züchter schon die wichtigste Prägungsphase durchlaufen, nun ist es am Halter, die Entwicklung auch weiterhin positiv zu fördern. In der Regel wird Ihr Welpe dabei auch versuchen, seine Grenzen abzustecken. Genau genommen verhält er sich auch nicht anders, als ein Kleinkind, nur lernt er in der Regel schneller und ist, im Gegensatz zu diesem, mit spätestens zwei Jahren bereits erwachsen. Auf dem Weg dorthin wird es sicher einige Überraschungen negativer Art für den Halter geben, wie angebissene Schuhe, Möbel, umgewühlte Gartenbeete und abgebissene Pflanzen. Meistens ist der junge Hund noch nicht stubenrein, das kann aber auch auf einen erwachsenen Hund zutreffen, der sein bisheriges Dasein im Garten oder im Zwinger fristen musste.

Wer einen Hund zu seinem bereits erwachsenen Hund(en) gesellen will, wird wohl in der Regel eher einen Welpen bevorzugen, da die Akzeptanz von Welpen, durch bereits vorhandene Hunde, in vielen Fällen weitaus größer ist, als für einen ausgewachsenen Hund.

Ältere Setter werden von Züchtern, Haltern und auch im Tierschutz angeboten.

Beim Hund vom Züchter handelt es sich dabei entweder um Hunde, die nicht oder nicht mehr zuchttauglich sind, die vom letzten Wurf noch nicht verkauft werden konnten oder um so genannte Rückläufer. Letztere sind Hunde, die von ihren Haltern aus ganz unterschiedlichen Gründen dem Züchter zurückgegeben wurden. Je nach Vorerfahrung können diese Hunde in Haltung und Führung sehr einfach, bis extrem schwierig sein.

Das gilt natürlich auch für die Setter, die direkt vom Halter aus Gründen wie Allergie, Scheidung, Zeitmangel oder anderem abgegeben werden. Es empfiehlt sich hier, vor der Übernahme erst einmal einige Besuche und Spaziergänge zu tätigen, um feststellen zu können, ob der Hund wirklich zu einem passt oder man zumindest bereit ist, einiges in Kauf zu nehmen. Auch ein Hund, der bereits einige Lebensjahre hinter sich hat, kann und muss unter Umständen erst noch erzogen werden. Hier ist weder übergroße Skepsis, noch extreme Euphorie angebracht. Manches unerwünschte Verhalten tritt in einer neuen liebevollen Umgebung gar nicht mehr auf, während andere Hunde erst nach einigen Wochen der Eingewöhnung, ihren wahren Charakter offenbaren.

In der Regel weiß man, aufgrund der Papiere, oder der Angaben des Besitzers das Alter des Tieres, dies ist bei Hunden aus dem Tierschutz nur selten der Fall. Da sich das Alter nur schwer, aufgrund gewisser körperlicher Merkmale, wie Abnutzung der Zähne, Ergrauung schätzen lässt, ist man vor Überraschungen nie sicher. Der Hund kann wesentlich älter, oder auch viel jünger sein, als angenommen. Bei Fundhunden und leider auch bei vielen Abgabehunden ist  so gut wie gar nichts über deren Vorgeschichte bekannt. Dies sollte kein Hinderungsgrund sein, solchen Hunden ein Zuhause zu geben, jedoch sollte man sich von vornherein im Klaren sein, dass diese Hunde nicht immer mit Zutrauen und voller Dankbarkeit auf ihre Zweibeiner zugehen.

Wer unbedingt züchten möchte, fährt am sichersten, wenn er sich einen älteren Hund kauft, der entsprechende Ausstellungen, Untersuchungen (HD, CLAD, PRA) und jagdliche Prüfungen schon absolviert und vom Verein die Zuchtzulassung erhalten hat. Die Entwicklung eines Welpen kann nämlich auch der Experte nicht immer voraussehen und so gibt es manch bittere Enttäuschung, wenn der Hund dann schließlich doch nicht zur Zucht zugelassen wird, weil er entscheidende Fehler im Phänotyp oder im Wesen aufweist. Dass ein Zuchthund natürlich nicht zum Welpenpreis verkauft werden wird, dürfte bekannt sein, denn Aufzucht, Ausbildung, Untersuchungen und Ausstellungen und Bescheinigungen sind mit relativ hohen Kosten verbunden. Beim Kauf eines solchen Setters vom Züchter ist sicher etwas Vorsicht geboten, denn welcher Züchter gibt schon einen zuchttauglichen Hund ab, ohne einen triftigen Grund hierfür zu haben. Der wirklich vielversprechende Zuchthund bleibt in der Regel beim Züchter.

Der einzige Grund für uns, einen Welpen zu wählen, lag letztendlich in meinen Bedenken, wie die bereits vorhanden Hunde auf einen erwachsenen "Reviereindringling" reagieren würden, wobei die Wahl eines Welpen natürlich noch lange keine Garantie bedeutet, dass der Neuling problemlos akzeptiert wird, auch hier sollte man sich keinen Illusionen hingeben.

Ein weiterer Grund ist für mich, dass sich, durch einen jungen Hund, die Wahrscheinlichkeit, viele Jahre miteinander verbringen zu dürfen, um ein vielfaches erhöht. Aber auch Welpen oder Junghunde kann man durch Unfall oder Krankheit relativ früh verlieren.

Ein weiteres Argument, das in vielen Fällen zutreffen mag, ist, dass ältere Hunde weniger aktiv sind, als Welpen und Junghunde und damit deutlich mehr Ruhe ausstrahlen. Wenn ein außen stehender Betrachter jedoch unsere - leider inzwischen verstorbene zehnjährige Olympia mit ihrer damals 5 ¾ jährigen Tochter Ronja, oder auch mit unserer roten Asta in Aktion sah, so wurde ihm der Altersunterschied höchstens durch die Graufärbung der Gesichter von Olympia und Asta bewusst.  Auch zehnjährige Setter können noch sehr viel Unsinn im Kopf haben und Schäden im Haus verursachen!! Und junge Hunde können, vom Temperament her, ziemlich ruhig und bedächtig agieren.

Letztendlich muss wirklich jeder für sich selbst entscheiden, welches Alter ihm am passendsten erscheint.

Gewarnt sei hier nur noch einmal vor Spontankäufen, weil der Welpe doch so niedlich war oder der ältere Hund aus dem Tierheim einen so Leid tat. Mitleid alleine, darf nie der ausschlaggebende Grund für einen Kauf oder die Übernahme eines Hundes sein. 

 

                                                                                                                                                         weiter zu: Idealzüchter                      

 
 

 

©2004-2015 Silvia Gabler