Abschied

 

  

 

Obwohl die Entscheidung, einen weiteren Hund im Haushalt aufzunehmen, gut überlegt sein will, sind viele Hundebesitzer der Meinung, dass ein Welpe ihrem in die Jahre gekommenen Hund noch einmal neuen Schwung gibt. Auch wenn Ihr Hund unersetzlich ist, kann Ihnen ein jüngerer Hund den Abschied von Ihrem alten Freund ein wenig leichter machen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Allerdings sollten Sie dabei gut überlegen, ob Ihr Hund wirklich noch fähig ist, einen Welpen im Haus zu verkraften bzw. zu tolerieren. Bei Hunden, die ein Leben lang als Einzelhund verbracht haben, sind Zweifel angebracht. Ich persönlich würde einem über 10 Jahre alten Hund, womöglich krankem Hund, keinen neuen vierbeinigen Hausgenossen  mehr zumuten wollen.

 

Die zweifellos schwerste Entscheidung für einen Hundebesitzer ist die Frage, ob ein alter Hund eingeschläfert werden muss. Jeder hofft, dass sein Hund eines Tages friedlich für immer entschläft, aber leider sieht die Realität für viele Hunde anders aus. Wenn Ihr Hund an einer unheilbaren Krankheit leidet und ständig Schmerzen hat, ist es für ihn am besten, wenn Sie ihm ein schnelles, schmerzloses Ende gewähren. Sie sollten diese Frage eingehend mit dem Tierarzt Ihres Vertrauens besprechen, und beide Seiten müssen davon überzeugt sein, dass es das Beste für Ihren Hund ist. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollten Sie dem Tierarzt Ihre Gefühle genau erklären. Ihr Hund wird  nach einer Betäubung durch eine schmerzlose Injektion binnen kurzer Zeit  erlöst.

 

Allerdings wird bei einem verantwortungsbewussten Hundehalter jede noch so sorgfältige Für und Wider Abwägung doch Zweifel und Schuldgefühle dem geliebtem Tier gegenüber hinterlassen. Lassen Sie diese zu, ein Verdrängen schadet nur und belastet unter Umständen sogar Ihr Verhältnis zu einem möglichem neuen Vierbeinern oder den bereits vorhandenen. Obwohl unsere Diva im Dezember 2001 schwer krank war, fiel es uns unendlich schwer, über Leben und Tod zu entscheiden. Auch anschließend habe ich mich im Stillen viele Male gefragt, ob wir nicht etwa zu vorschnell entschieden hatten. Ich bin jedes Mal zu dem Ergebnis gekommen, dass für diesen, trotz der Krankheiten immer sehr aktiven und agilen Hund ein Weiterleben nur unter extremen Einschränkungen der bisherigen Lebensqualitäten letztendlich eine Qual bedeutet hätte. Wir  sollten unseren eigenen Egoismus überwinden  und zum richtigen Zeitpunkt loslassen können. Uns sollte bewusst sein, dass in einem Leben nicht die Anzahl der Jahre, sondern deren Qualität das Wichtigste sind. Es ist ein Trost zu wissen, dass unsere Diva bis auf die letzte Woche in ihrem Hundeleben auf lieb gewonnene  Angewohnheiten und Rituale nicht verzichten musste und in den Armen ihres Herrchens über die Regenbogenbrücke gehen durfte.

 

Sollten Sie zusammen mit Ihren Veterinär entschieden haben, dass die Zeit Ihres Hundes doch  noch nicht gekommen ist, tragen Sie dafür Sorge , dass Ihr Hund die richtigen Medikamente erhält, um ihn so gut wie schmerzfrei zu halten. Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt auch den Einsatz von homöopathischen Medikamenten oder von Phytotherapie (rein pflanzlichen Mitteln), die dafür sorgen können, dass Ihr Vierbeiner noch schöne letzte Monate zusammen mit Ihnen erleben darf. Auch Bachblütenessenzen können unter Umständen hilfreich sein, aber mir fehlt leider bisher die Erfahrung damit. Ziehen Sie, falls Ihr Tierarzt kein Freund der Naturheilkunde ist, einen seriösen Tierheilpraktiker oder einen Veterinär mit entsprechender Zusatzausbildung  zu Rate. Zum Glück nimmt die Zahl der Veterinäre, die auch alternative Behandlungsmethoden anerkennen oder anwenden, stetig zu.   

 

Der Verlust eines treuen Freundes ist immer schwer zu ertragen, und es ist nicht leicht zu akzeptieren, dass unseren Hunden, für menschliche Begriffe, nur eine sehr begrenzte Lebensspanne zu Verfügung steht. Jeder Zweibeiner hat seine eigene Art mit dem Verlust fertig zu werden. Für mich war es damals eine Art Therapie, Traueranzeigen mit dem Bild meiner geliebten Hündin zu verschicken und auf meiner Webseite eine "In Memoriam" Seite einzurichten. Zu jedem Todestag kommt ein neuer Sinnspruch auf dieser Seite hinzu. Manch einem mag das übertrieben erscheinen, für mich ist es eine Hilfe, mit dem Verlust umzugehen.

 

Jedes Lebewesen ist unersetzbar. Wer glaubt, seinen Verlust durch die möglichst schnelle Anschaffung eine neuen Hundes als "Ersatz" leichter überwinden zu können, wird in der Regel eine herbe Enttäuschung erleben.  

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      weiter zum Letzten Gruß

 

 

© 2005-2015 Silvia Gabler