Diva zu Helfenburg

 

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30.12.1992-13.12.2001

He is your friend, your partner, your defender, your dog.

You are his life, his love, his leader.

He will be yours, faithful and true, to the last beat of his heart.

You owe it to him to be worthy of such devotion.

 

Anonymus

 

 

 "Diva"

 

Eigentlich hatten wir uns unseren Hund ganz anders vorgestellt. Ein Collie sollte es werden, und natürlich ein Rüde, wie mein allererster Hund, der Pudel Snoopy. Man hatte mir jede Menge Schauermärchen von wegen der Läufigkeiten der Hündinnen aufgetischt und damals habe ich tatsächlich, naiv wie ich war, den selbsternannten "Experten" auch noch vieles geglaubt. Leider gestaltete sich die Suche nach einem Collie viel schwieriger, als gedacht. Würfe gab es im Frühjahr 1993 zwar viele, aber überall waren die Rüden schon vergeben.

Mein Mann kannte, durch seine damalige Tätigkeit, eine Züchterin in der Nähe, die gerade Irish Setter Welpen hatte. Mein Traumhund war dies nun nicht gerade, aber wir wollten uns die Welpen doch einmal ansehen. Wie es der Zufall so wollte, wurde gerade, als wir dort ankamen, der letzte Irish Red Setter Rüde verkauft. Nun waren da noch Gordon Setter Welpen, aber auch "nur" noch Mädels. Diese Hunderasse, die wir ehrlich gesagt, bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht kannten, gefiel uns zwar sehr gut, aber ich wollte lieber doch auf den nächsten Wurf warten, um einen Rüden zu bekommen. Nach einigen Tagen rief uns die Züchterin an, sie hatte ein Mädchen zurückbekommen, weil diese sich angeblich mit den Katzen der Käufer nicht vertrug. Nachdem wir uns inzwischen, via Buch, über die Rasse etwas schlau gemacht hatten, beschlossen wir doch, uns die Hündin einmal anzuschauen. Diva, etwas schlanker und hochbeiniger als ihre Schwestern, gefiel uns sehr gut und nach einiger Bedenkzeit, entschlossen wir uns, diese Hündin zu nehmen. Nachdem wir erst einmal unseren Gartenzaun "hundefest und ausbruchssicher" gemacht hatten, wie wir damals grenzenlos naiv glaubten, hielt Diva im April 1993 bei uns Einzug. Mit unseren beiden Kindern, damals acht und drei Jahre alt, verstand sie sich von Anfang an gut, auch wenn der junge stürmische Hund sie manchmal umrannte. Sie war absolut unproblematisch, verträglich mit Mensch und Tier, bis auf eine Tatsache, sie war ein ausgesprochen schlechter Fresser. So musste ich deswegen auf der Straße des Öfteren, die mehr oder weniger gut gemeinten Ratschläge oder auch Vorwürfe von Passanten anhören.

Als Diva ein Jahr alt war, begann ich Hunde in Urlaubspflege zu nehmen. Diva spielte sehr gerne mit ihnen, schien aber doch irgendwie froh zu sein, wenn diese wieder abgeholt wurden. Im Juni 1993 holten wir uns dann noch zwei Katzen ins Haus, Farah und Leila. Diva verhielt sich ihnen gegenüber sehr liebevoll, Farah, unsere jetzige "Chefkatze" durfte zu unser aller Erstaunen sogar einige Wochen bei ihr saugen. 

 

 

Auch mit dem Nachbarskater Kasperl spielte Diva oft und gerne in unserem Garten. Aber ganz plötzlich, als Diva zwei Jahre alt wurde, zeigte sie jeden deutlich ihre Dominanz. Die Hunde und Katzen wurden zwar geduldet, aber mehr auch nicht. Schmusen war nicht mehr erwünscht. Zweibeinern gegenüber zeigte sie sich dagegen Zeit ihres Lebens absolut freundlich und liebenswürdig.


Als wir dann im Juni 1995 unsere Irish Red and White Setter Hündin Olympia bekamen, war Diva nicht gerade begeistert. Sie wirkte immer so, als hoffe sie insgeheim, jemand würde die kleine "Nervensäge", genau wie vorher unsere Urlaubsgäste, wieder abholen. Zu dieser Zeit waren wir bei Wind und Wetter unterwegs und legten weite Strecken zurück. Im Gegensatz zu mir schien Diva nie zu ermüden und es war herrlich, mit ihr durch den Wald zu streifen. Der Winter war ihre liebste Jahreszeit, dann tobte sie, die eigentlich keine große "Spielerin" war, ausgelassen durch den Schnee und auch Regen mochte sie, ganz im Gegensatz zu ihrem Frauchen, sehr gerne.


"Autofahren" war die liebste Beschäftigung von Diva, und so kam es, dass Diva irgendwann, ursprünglich "für" Frauchen gekauft, bald mehr mit Herrchen unterwegs war, als zu Hause.
Leider teilte Olympia diese Leidenschaft, so dass Frauchen oft "hundelos" zu Hause sitzen musste.
Diva besuchte mit Herrchen einige Ausstellungen und konnte dort auch Pokale und Urkunden erringen.
Mit Asta, unserer Roten, die das Trio im November 1997 k
omplett machte, verstand sie sich bestens, da Asta nach kurzer Zeit begriffen hatte, wann es Zeit war, sich zurück zuziehen oder auf unterwürfig zu machen.


Leider zeigten sich bei Diva bereits im Alter von vier Jahren erste gesundheitliche Probleme, in Form von immer wieder auftretenden Lahmheiten. Viel zu lange wurde sie auf HD behandelt. Erst nach einer wahren Odyssee, von Tierarzt zu Tierarzt, stellte sich heraus, dass sie unter einer nicht erkannten Pilzerkrankung der Ballen und Krallen litt. Als wir schon glaubten, wieder aufatmen zu können, traten Tumore in der Milchleiste auf. Nach einer Operation im Mai 2000  mussten wir leider erfahren, dass es sich nicht, wie insgeheim gehofft, um harmlose Geschwülste, sondern  um Karzinome handelte. Da aber glücklicherweise keine Metastasen vorhanden waren, hofften wir das Beste für unser Mädchen. Allerdings war die Wundheilung extrem verzögert und ihr Wasserkonsum enorm hoch. Dies alles aber waren keine Warnsignale für unsere Tierärztin. Erst als sich beidseitig eine Hornhauttrübung zeigte, bekamen wir die niederschmetternde Diagnose: "Diabetes". Die Erblindung war nun nicht mehr aufzuhalten und das Einstellen der Blutzuckerwerte enorm schwierig. Schließlich mussten wir sie zweimal täglich spritzen. Trotzdem fand sich unser Mädchen mit alledem erstaunlich gut zurecht und war eigentlich wie eh und je. Natürlich bekam ich so "wohlmeinende" Ratschläge wie "lieber einschläfern lassen" und vieles mehr, aber wir hatten bis zur letzten Woche in Divas leider viel zu kurzem Leben immer den Eindruck, dass es ihr trotz alledem gut ging und sie noch Freude an ihrem Dasein hatte. Dies war das wichtigste Kriterium für uns. Im Nachhinein muss ich feststellen, ich würde es auch bei einem anderen Hund wieder ganz genauso halten, auch wenn wir uns diesmal nicht mehr so sehr auf die Veterinäre verlassen würden.


Die Blutzuckerwerte unterlagen starken Schwankungen. Im Dezember 2001 ging es unserer "Alten" wie wir sie liebe- und respektvoll nannten, plötzlich sehr schlecht. Sie konnte kein Futter mehr bei sich behalten. Auch eine Operation, von der wir uns alles erhofften, brachte keine Besserung. So entschlossen wir uns schweren Herzens, unserem geliebten Mädchen den letzten Dienst zu erweisen, da wir sie nicht leiden lassen wollten. Am 13. Dezember, 17 Tage vor ihrem neunten Geburtstag wurde unsere Diva eingeschläfert. In unseren Herzen lebt sie weiter.


Mein größter Wunsch wäre es gewesen, diesen absolut Menschen bezogenen Hund in Altenheimen als Besuchshund einzusetzen. Leider haben dies ihre Krankheiten verhindert. Dass wir später unsere Irish Red and White Setter erfolgreich im Besuchsdienst einsetzen konnten, ist nicht zuletzt Divas Verdienst. Auch die Tatsache, dass es nun eine kleine Interessengemeinschaft für Setter in Not, die Setter Rescue Germany gab, und  eine Plattform für Jagdhunde in Not existierte, ist diesem großartigen Hund zu verdanken. Durch seine Existenz und sein wunderbares Wesen hat er unsere Setterleidenschaft geweckt und gefördert. Ich bin mir sicher, eines Tages werden wir nachdem auch ich die "Regenbogenbrücke"  überschritten habe, wieder vereint sein.

 

Nachsatz Juni 2004: Auch nun, über zweieinhalb Jahre nach ihren viel zu frühen Tod, ist unsere Diva noch immer sehr präsent, sie hat, wie kein anderer Hund in meinem Leben, mich ungemein geprägt. Ihre Krankheiten haben dafür gesorgt, dass ich begonnen habe, mich intensiv mit den naturheilkundlichen Methoden auseinander zu setzen, was ohne Zweifel Olympia, Asta und Ronja zu gute kam.

 

Juni 2008: Noch immer denke ich voller Dankbarkeit und mit ein klein wenig Wehmut  an unser Mädchen zurück, dem mittlerweile viel zu früh und ganz unerwartet auch Olympia und ihre Tochter Ronja gefolgt sind.

 

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© 2001-2015 Silvia Gabler