Diabetes mellitus beim Hund

 

 

Über eineinviertel Jahre litt unsere Gordon-Setter-Hündin Diva an Diabetes. Da die Veterinäre diese Erkrankung zu spät erkannten, bekam sie als Folge der extrem hohen Blutzuckerwerte Grauen Star und war mittlerweile fast vollständig erblindet.

 

Neben den zweimal-täglichen Spritzen mit Humaninsulin, da Canininsulin nach einiger Zeit nicht mehr anschlug, wurde sie zusätzlich mit Homöopathika und Kräutern nach Maria Treben behandelt. So hatte sie sich nach dem schweren Rückfall im August 2001 wieder relativ schnell erholt. Auch die fast vollständige Erblindung stellte keine schwerwiegende Behinderung für sie dar. Nach einer kurzen Unsicherheitsphase stieg sie nun wieder wie selbstverständlich Treppen und fand sich auch in unbekannter Umgebung sehr gut zurecht.

 

Unsere Devise lautete, den Hund soweit möglich ganz normal weiterleben zu lassen, ihn nicht zu verhätscheln, sondern seine bisherigen Lebensumstände nicht unnötig zu verändern. So fuhr Diva wie gewohnt zusammen mit Olympia und Herrchen noch immer begeistert Auto und absolvierte auch souverän ihre täglichen Spaziergänge. Leider musste sie dabei an der Leine bleiben, da sie nach wie vor jedem Geräusch nachstürzte, was aber nun fatale Folgen hätte haben könnte, da sie ja nicht mehr erkennen konnte, wohin sie lief.

 

Wir spritzten sie zweimal täglich mit Humaninsulin, nachdem das Canininsulin nach gut einem Jahr keine Wirkung mehr zeigte und sie schrecklich abmagerte. Außerdem erhielt sie dreimal täglich Syzygium jambolanum D 2 in Tablettenform, ein homöopathisches Mittel.

 

Leider sorgte tierärztliche Inkompetenz, der wir oft im Laufe der Jahre begegnet sind und immer wieder begegnen, dafür, dass wir unsere Diva 17 Tage vor ihrem 9.Geburtstag einschläfern lassen mussten.

 

Diabetes mellitus und mögliche Folgeschäden


Diabetes mellitus entsteht durch die Unfähigkeit des Körpers, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren.

 

Das körpereigenen Hormon Insulin, das in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, spielt für die Kontrolle des Blutzuckerspiegels eine entscheidende Rolle. Insulin sorgt dafür, dass der Körper Glukose verwerten und speichern kann. Glukose wird von den Körperzellen als Energielieferant benötigt. Um als Energie nutzbar zu werden, muss die Glukose zuerst in die Zelle gelangen. Insulin bindet sich an die Zelle und öffnet sie für die Glukose. Bildet der Körper nicht (mehr) genug Insulin, reichert sich die Glukose statt in den Zellen im Blut an, es entsteht der Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit .

Die Zellen hungern nach Glukose-der Körper hilft sich, indem er andere Nährstoffe als Energielieferanten verwendet. Der diabetische Hund frisst meist mehr als zuvor, um so seinen erhöhten Energiebedarf zu decken. Da die Nahrung aber nicht richtig verwertet werden kann, nimmt der Hund trotzdem, teilweise sehr stark, ab. Sobald der Blutzuckergehalt über 180mg/dl ansteigt, beginnen die Nieren, die überschüssige Glukose auszuscheiden. Die Normalwerte für Blutglukose liegen bei 75-108mg/dl. Die Werte variieren je nach Labor. Wenn Glukose im Urin nachgewiesen werden kann, sind die Blutzuckerwerte bereits weit überschritten.



Zur Ausscheidung der überflüssigen Glukose benötigt der Körper sehr viel Flüssigkeit, die Flüssigkeitsaufnahme ist stark erhöht, dementsprechend häufig ist auch der Urinabsatz.
 

Symptome, die häufig den Diabetes begleiten

  • Polyurie (vermehrte, erhöhte Harnausscheidung)
  • Polydipsie (vermehrte Flüssigkeitsaufnahme)
  • Polyphagie (vermehrte Futteraufnahme)
  • deutliche Fellveränderung


Diese Symptome weisen zwar auf einen Diabetes hin, treten aber auch bei anderen Erkrankungen,  z.B Nierenerkrankungen auf. Neben einer Urinuntersuchung sollte deshalb auch unbedingt eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Beide Untersuchungen zusammen ermöglichen eine sichere Diagnose.

Wechselspiel der Hormone bei Hündinnen


Nach Beendigung einer Läufigkeit wird in den Eierstöcken das Hormon Progesteron produziert. Dieses Hormon kann die Insulinwirkung negativ beeinflussen. Eine diabetische Hündin sollte deswegen immer kastriert werden. Läufigkeitsunterdrückende Medikamente enthalten Substanzen mit progesteronähnlicher Wirkung und sollten deshalb niemals bei einer Hündin mit Diabetes eingesetzt werden.

 

Behandlungsmöglichkeiten


Bei Diabetes mellitus gibt es auch für Hund und Katze kaum eine Heilung. In der Regel lässt sich die Erkrankung aber mittels Insulin, welches ein oder zweimal täglich gespritzt werden muss, relativ gut kontrollieren.
Zu Beginn der Therapie wird vom Veterinär die Anfangsdosis berechnet, diese bezieht sich auf das Körpergewicht des Hundes. Dabei muss die Therapie sehr individuell eingestellt werden. Wie oft und wieviel Insulin gespritzt werden muss, hängt von der Art und Wirkungsdauer des verwendeten Insulins ab. Meistens wird ein Insulin benutzt, welches eine einmalige Dosis pro Tag ermöglicht. Trotzdem gibt es Hunde, die zweimal täglich gespritzt werden müssen, da sie ansonsten nicht einstellbar sind.



Nach drei bis vier Tagen nach Therapiebeginn sollte ein Blutzuckertagesprofil erstellt werden. Dafür muss mehrmals am Tag Blut abgenommen werden. Aus den so erhaltenen Werten ergibt sich eine Kurve, die Aufschluss gibt über:

  • Wirksamkeit des Insulin
  • Zeitpunkt des niedrigsten Zuckerwertes
  • Dauer der Insulinwirkung


Anfangs sollte der Zucker im Urin mittels Teststreifen (vom Tierarzt oder aus der Apotheke ) dreimal täglich überprüft werden:

  • Früh am Morgen, noch vor der Insulingabe und der ersten Fütterung
  • am Spätnachmittag vor der zweiten Fütterung



Fütterung des diabetischen Hundes


Am allerwichtigsten dabei ist die Regelmäßigkeit der Fütterung:

  • immer zur gleichen Zeit
  • gleiche Menge
  • gleiche Diät


Auf dem Markt sind verschiedene Diätprodukte speziell für diabetische Hunde: Fragen Sie Ihren Tierarzt oder direkt bei den Firmen an.

Insulin für Hunde wirkt in der Regel so, dass nach der Injektion zwei Aktivitätshöhepunkte auftreten. Deshalb sollte der Hund auch zweimal täglich gefüttert werden. Eine Fertigdiät gewährleistet eine gleichmäßige Zusammensetzung des Futters. Aber nicht jedes Tier nimmt bereitwillig diese Fertigfutter auf. Deshalb ist auch eine selbst gekochte Diät (Hühnerfleisch, Quark) denkbar. Da es für Hunde noch kein spezielles Diätbuch gibt, kann man sich weitestgehend an die Diätempfehlungen für Zweibeiner halten. Allerdings sollten Sie unbedingt Rücksprache mit ihren Veterinär halten.

 

Übergewicht begünstigt Diabetes. Übergewichtige Hunde sollten eine spezielle Diät erhalten, um das Gewicht langsam(Äußerst wichtig!) zu verringern. Unter Umständen kann dann auch die Insulindosis reduziert werden, was im Ermessen des Tierarztes liegt.
Wenn Ihr Hund die Futteraufnahme verweigert, muss die Insulindosis unbedingt angepasst, d.h. entsprechend verringert werden. Besprechen Sie solche Dinge unbedingt mit dem Tierarzt!


Im Gegensatz zum Menschen sollte das Futter immer vor der Injektion gegeben werden. Ein Hund, der nichts fressen möchte, frisst nämlich auch nicht, da man ihn die Wichtigkeit der Futteraufnahme ja nicht klar machen kann. Geben Sie das Insulin bereits vor der geplanten Fütterung und der Hund verweigert anschließend die Nahrungsaufnahme, kann der Blutzuckerwert gefährlich sinken und es zu einer sogenannten Hypoglykämie kommen.

 

Hypoglykämie (Zu niedrige Blutzuckerwerte)


Der zu niedrige Blutzuckerwert ist die am häufigsten auftretende Komplikation bei Diabetes mellitus

Ursachen

  • Verringerte oder verweigerte Futteraufnahme bei normaler Menge Insulin
  • Außergewöhnlich hohe Aktivität des Hundes, auch Aufregung, in beiden Fällen wird viel Zucker verbraucht.
  • Überdosierung der Insulinmenge.

 

Symptome

 

  • Unruhe
  •  Zittern
  • Bewegungsstörungen
  •  Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma

 

Gegenmaßnahmen

 

  • Kann Ihr Hund noch fressen, bieten Sie ihm sofort Futter an.
  • Ist keine Futteraufnahme mehr möglich, führen Sie sofort eine Zuckerlösung zu. Dabei sollte die Zuckermenge pro Kilogramm Körpergewicht des Hunde 1 Gramm betragen. Geben Sie die Lösung in die Backentaschen, unter die Zunge oder massieren Sie die Lösung ins Zahnfleisch ein .Auch Traubenzucker hat sich für unterwegs bewährt, da er leicht löslich ist .
  • Ist eine deutliche Erholung sichtbar, unbedingt füttern und weiter beobachten. In schweren Fällen unbedingt den nächsten Veterinär aufsuchen!



Noch ein offenes Wort zu den Tierärzten

Da der Hund regelmäßig dem Tierarzt vorgestellt werden muss, ist es wichtig, dass Sie ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zu dem/den behandelnden Veterinär(en) haben. Zögern Sie nicht, sofort nachzufragen, wenn Unklarheiten auftreten. Sollten Sie den Eindruck haben, dass Ihre Ängste und Bedenken nicht ernst genommen werden, der Kenntnisstand über Diabetes mellitus nicht besonders hoch ist und dass keine Bereitschaft besteht, sich die entsprechenden Informationen zu besorgen, sollten Sie lieber den Tierarzt wechseln. Auch Veterinäre, die den Diabetes verharmlosen, sollte man meiden.  

Noch Fragen?

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                                                                                                                                             weiter zu Skeletterkrankungen 

  

 

Quellenangabe

 

"Leben mit Diabetes mellitus"  Firma Intervet Deutschland GmbH Postfach 1130 Unterschleißheim.

"Diabetes" Firma Laboklin
 
Eigene Erfahrungswerte  Ingo und Silvia Gabler

 


© 2001-2008 Silvia Gabler