Setter als Co-Therapeuten

 

 

Für Ronja gehen sogar Senioren in die Knie.
 

 Eine geheime Tür zur Seele alter Menschen


Einmal in der Woche besuchen wir die Bewohner des örtlichen Seniorenheimes.
Dabei bekommen wir tatkräftige Unterstützung von unserer Irish Red and White Setterhündin Ronja.

Obwohl sie ihren "Job" erst seit Anfang August macht, ist sie schon ganz Profi. Sie kennt sich im ganzen Haus aus und weiß genau, wer schon sehnsüchtig auf ihren Besuch wartet. Sie ermöglicht es, sofort Kontakt zu den meisten Senioren herzustellen. Ist sie doch immer Gesprächsthema, auch bei denjenigen, die Hunde eigentlich nicht so gerne mögen. Wer früher selbst Hunde hatte, freut sich natürlich besonders über den Hundebesuch. Aber auch Menschen, die schon immer gerne einen Hund wollten, aber sich, aus welchen Gründen auch immmer, nie einen halten konnten, sind ganz begeistert von diesem tierischen Besuch. Ronja bleibt immer ruhig und gelassen, auch wenn sich die Finger manchmal in ihrem Fell verkrampfen oder manch lieb gemeinter Klapps doch etwas heftiger ausfällt. Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wieviele Leute durch den Hund regelrecht aufleben und die Augen zu leuchten beginnen, sobald Ronja das Zimmer oder den Saal betritt. Hunde können k(l)eine Wunder vollbringen.
Ronja soll auf längere Sicht nicht die einzige Hündin des Besuchsdienstes bleiben. Ihre Schwester Minnie, die in unserer Nähe lebt, hat sie schon des öfteren begleitet, und auch unsere rote Asta soll, nachdem sie sich von ihrer schweren Allergie erholt hat, zum Einsatz kommen.

 

 Ein Zeitungsartikel hierzu

 
 

Seniorenzentrum Breitenbrunn bei der Umsetzung innovativer Betreuungs- und Therapieformen von Senioren.
Ronja. Seelentröster und Therapeut auf vier Pfoten wurde am Donnerstag vorgestellt


Breitenbrunn (ga) Das Seniorenzentrum Breitenbrunn unter der Leitung von Nicola Tucht beschreitet als erstes Pflegeheim in der Oberpfalz zusätzlich andere Wege in der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen. Seit einigen Wochen besuchen Irish Red and White Setter regelmäßig die einzelnen Stationen im Seniorenheim.

Am Donnerstag stellte die Heimleitung diesen Dienst und vor allen Dingen die Setterhündin Ronja der Öffentlichkeit vor. Frau Tucht, selbst Besitzerin eines Hundes, weiß um die Kraft der Tiere, Geheimtüren zur Seele der kranken und gebrechlichen, häufig ganz in sich zurückgezogenen Menschen zu öffnen. Der Hygienewahn, der vor Jahren noch alle Tiere aus Heimen und Krankenhäusern verbannte, hat der Erkenntnis Platz gemacht, dass Tiere Freude, Glück und Wärme ins Leben bringen und somit gesund erhalten, erklärt Frau Tucht. Der fehlende Garten und das schon jetzt voll ausgelastete Pflegepersonal lassen zu ihrem Bedauern die Haltung größerer Vierbeiner im Breitenbrunner Heim nicht zu, erzählt sie weiter. Zur Zeit sind ein Wellensittich und eine Katze die einzigen Haustiere. Deshalb ist sie begeistert, dass Frau Silvia Gabler sich für den Besuchsdienst engagiert und somit regelmäßige Besuche mit Hunden in das Beschäftigungsprogramm eingebaut werden konnten. Sie habe sich auf Veranlassung von Frau Gabler zwar bei dem Verein "Tiere helfen Menschen" e.V. insbesondere bei dessen Vorsitzenden Graham Ford, über den Umfang der angebotenen Leistungen erkundigt, hatte sich aber schon im Vorfeld für diese Art Beschäftigungstherapie entschieden, allerdings habe sich erst jetzt ein Hundehalter gefunden, der bereit ist, regelmäßig die Bewohner des Seniorenheimes zu besuchen.

Die Besitzerin und "Trainerin" der "rot-weißen" Therapie-Setter erklärt ein wenig die "Arbeitsweise" ihrer Hunde und warum "Ronja" schon so beliebt im Heim ist. Die Irish Red and White Setter, Vertreter einer bei uns auf dem Kontinent kaum bekannten, sehr alten irischen Hunderasse,  sind für solche Einsätze prädestiniert, da sie als Vorstehhunde besonders ruhig und intelligent sind Zudem wären sie auf der einen Seite sehr menschenbezogen, auf der anderen Seite würden sie aber nur sehr langsam, abwartend und gelassen auf fremde Menschen zugehen, sofort die vorgefundene Situation erkennen und sich darauf einstellen, so die Halterin. Die Hunde haben auch, im Gegensatz zu vielen Menschen, keinerlei Berührungsängste und gehen dem menschlichen Leid nicht aus dem Weg, sie freuen sich selbst beim Besuch von Todkranken.

Die Tür zur Seele der Menschen wird ohne große Worte, allein durch Blicke, Berührungen und Streicheleinheiten, geöffnet. Hunde beachten keine körperlichen Gebrechen, ob jemand häßlich oder behindert ist,  sie zeigen ihre Zuneigung bedingungslos und hören sich auch zum x-ten mal geduldig und schwanzwedelnd dieselben Geschichten,ebenso Sorgen und Ängste betagter Menschen an. Aus diesen Gründen, und auch die für Hunde normalerweise erschwerten Bedingungen, wie zum Beispiel glatte Böden, Rollstühle, schrille Schreie, fremde Gerüche, herzhaftes Anfassen und Drücken am ganzen Körper, ist die Leistung der Setter nicht zu unterschätzen.

Einfach ist die Ausbildung der Hunde zu Therapiehelfern aber nicht. angesichts der immer noch herrschenden Hysterie, wenn Hunde und vor allen Dingen größere, die Setter weisen immerhin ein Schultermaß von ca. 60 cm auf, im Spiel sind. Auch ein Teil des Pflegepersonals hatte anfangs sehr vorsichtig bis ablehnend auf den Hundebesuch reagiert, doch zunehmend ist auch bei den meisten Einsicht eingekehrt, dass die Hunde keine Gefahr für die Senioren darstellen, sondern eine willkommene Abwechslung und Freude im Heimalltag verkörpern, weiß Frau Gabler zu berichten.

Die Leiterin des Betreuungs- und Therapieteams, Frau Johanna Auer, versucht auch z.B durch den Besuch einer Landwirtschaft oder eines Kleintierzoos, insbesondere durch den Kontakt mit den dort gehaltenen Tieren, bei einer Gruppe Senioren, alte Erinnerungen zu wecken, um so wieder Gesprächsstoff für die nächste Zeit zu schaffen und das physische wie psychische Wohlbefinden positiv zu beeinflussen.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben eindeutig belegt, dass alleine durch die Anwesenheit eines Tieres, Herzschlag, Blutdruck sowie der gesamte Kreislauf positiv beeinflusst werden. Erwiesen ist auch, dass durch das Streicheln von Hunden, Katze, Kaninchen und anderen bei Rheuma und Schlaganfallpatienten die Grob- und Feinmotorik wieder verbessert werden kann .

Der Besuchsdienst ist keine hundesportliche Freizeitaktivität, bei der Ehrungen oder Pokale zu erringen sind und an der man teilnimmt, wenn einem danach zu Mute ist. Die regelmäßigen Besuche erfordern sehr viel soziales ehrenamtliches Engagement, Konstanz und psychische Stabilität. Nur wer alten,kranken oder sich ungewöhnlich verhaltenden Mitmenschen gegenüber keine Kontakt-oder Berührungsängste hat, sondern ihnen Mitgefühl,Einfühlungsvermögen und und Verständnis entgegen bringt, ist solchen Einsätzen langfristig gewachsen.

Bei einem Angehörigentag, am 06.10.2001 im Breitenbrunner Seniorenheim, wird dieses Thema allen Interessierten anhand eines Referates durch einen Vertreter des Vereines "Tiere helfen Menschen "e.V. vorgestellt.

Seniorenheime und auch andere Institutionen, die an einem Besuchsdienst in ihren Einrichtungen interessiert sind, sowie natürlich auch Tierhalter (es müssen nicht zwangsläufig Hunde sein, auch zutrauliche Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen etc. sind willkommen), die sich selbst an einem Besuchsdienst beteiligen möchten, sowie interessierte Landwirte, auch Schaf -und Pferdehalter, die bereit sind, ihre Stallungen für Seniorengruppen und andere zu öffnen, erhalten Informationen direkt beim Vereinsvorsitzenden von

"Tiere helfen Menschen e.V." Graham Ford Münchener Str.14 ,

97204 Höchberg ,Tel. 0931/4042120

oder bei Silvia Gabler Tel . 09495 /1437


Breitenbrunn den 30.08.2001 

Februar 2002 

Leider waren wir gezwungen das Heim zu wechseln, weil die Widerstände bei einigen Leuten mit Hundeaversion unter dem Personal heftiger als gedacht waren. Wir bedauern dies sehr, denn die Senioren haben eine willkommene Abwechslung verloren. Inzwischen hat auch Asta ihren "Dienst" aufgenommen.

07.07.2008

Das  Alles ist längst Vergangenheit und  auch Ronja hat uns heuer, obwohl erst 8 Jahre alt, bereits für immer verlassen. Während in anderen Landkreisen und Städten Hundebsuchsdienste wunderbar klappen, sind ausgerechnet hier auf dem Land, besonders in den bäuerlichen Familien, die Bedenken wegen der Hygiene und der Gefahr,  die vom Hund allgemein ausgeht (der Zeitung mit den vier großen Buchstaben sei Dank für diese "tolle" Aufklärung) größer denn je. Eigentlich lachhaft, wenn man Kuh- Pferde- und Schweinställe von innen sieht und bedenkt, wie gefährlich Pferde, Kühe und Schweine für Kinder und Senioren werden können.

Ich finde es bedauerlich, aber die meisten Heime hier haben diese Besuche auf lange Sicht nicht so gerne, man könnte schließlich Einblicke bekommen, die den Eindruck, der nach außen vermittelt wird, nicht bestätigen.

Wir waren leider zur falschen Zeit am falschen Ort! Zurück blieb ein bitterer Nachgeschmack über menschliche Bornierheit und wenig soziale Verantwortung. Was soll man auch erwarten, wenn ausgerechnet eine Franziskanerin sich als absolute Gegenerin von tierischen Besuchen in Altenheimen erweist.

Trotzdem möchten wir  weiterhin Hundehalter mit geeigneten Hunden, zu Besuchsdiensten im Alters-und Kinderheimen ermutigen. Inzwischen gibt es zahlreiche Vereine und Gruppen, sicher auch in Ihrer Nähe. Gehen Sie mit Ihrem(n) Tier(en) dort doch einmal schnuppern!

 

                                                                                                                                                         weiter zu Ronja erzählt

 

© 2001-2008 Silvia und Ingo Gabler