Bekenntnisse einer Ausstellungsverweigerin

 

  

Hiermit bekenne ich mich schuldig, meinen Hunden das Beste in einem Hundeleben vorzuenthalten. Es tut mir so leid, dass ich bis heute mit ihnen keine Ausstellungen besucht habe. Was ist ihnen und auch mir dadurch nicht alles entgangen!

 

Meine armen Setter kennen nicht das herrliche Gefühl, im Kofferraum in einer handlichen, zu gegebener maßen etwas engen Transportbox bei sengender Hitze zu einer Ausstellung gekarrt zu werden. Danach wissen die Hunde schließlich erst freien Auslauf richtig zu schätzen.

 

Die Ärmsten sind noch nicht in der Weltgeschichte herumgereist und durften nicht das wunderbare Feeling erleben, sich in überfüllten Hallen zwischen genervten Ausstellern, neugierigen Besuchern und mehr oder weniger freundlichen, geduldigen oder ungeduldigen Artgenossen zu bewegen. Sie wurden auch noch nie gestylt, um anschließend in Bodys gezwängt zu werden, damit das Fell nicht verlegt oder gar schmutzig wird. Meine Setter wurden auch niemals stundenlang getrimmt, ihre Hälse ausrasiert, jedes überflüssige Haar fein säuberlich beseitigt, was bin ich doch nur für eine schlechte Hundehalterin, ich setze mich sofort still in eine Ecke und gehe in mich. Ich entferne auch niemals sofort jeden Krümel im Fell. Auch werden meine Hunde nur selten gewaschen. Die Profis unter den Ausstellern rümpfen zu Recht ihre Nasen und werden sich überlegen, ob sie nicht am besten sofort den Tierschutz alarmieren.

 

Klar, meine Hunde durften auch nie nette Züchter und Aussteller kennen lernen, die sich im Ring freundlich die Hände schütteln, um lächelnd zum Erfolg zu gratulieren, während sie kurz darauf über den Siegerhund ablästern. Meinen Setter war es auch noch nie vergönnt, stundenlang abgelegt in praktischen Boxen, neben unsympathischen Artgenossen und deren Zweibeinern geduldig zu warten. Sie hatten auch noch nie das Vergnügen, Runde für Runde im Ring auf rutschigen Böden zu laufen und sich von vollkommen fremden Personen abzutasten und ins Maul schauen zu lassen.

 

An den Wochenenden sehen sie sich sogar gezwungen, uns auf langen Spaziergängen zu begleiten oder gar im Garten zu spielen, anstatt sich von ihrer Schokoladenseite im Ring gekonnt präsentieren zu dürfen. Auch die wunderbare Erfahrung, eingezwängt in eine Reisebox, womöglich sediert, stundenlang im Transportraum eines Flugzeugs entspannt vor sich hinzudösen, habe ich Böse bisher meinen Hunden vorenthalten. Ehrlich gesagt, getraue ich mich, nachdem ich dies nun geradezu überdeutlich erkennen musste, kaum noch in den Spiegel zu schauen. Ich weiß auch gar nicht mehr, ob ich überhaupt würdig bin, Rassehunde, insbesondere Setter, halten zu dürfen.

 

Meine Setter können keine Urkunden, Pokale und andere Auszeichnungen vorweisen. Sie waren noch nie in einem Mitteilungsheft, geschweige denn in der Zeitung oder in einer der zahlreichen Hundeillustrierten abgebildet, sie waren auch noch nie im Fernsehen, naja Olympia und ihr Wurf, und auch später Ronja ausgenommen, sie sind weder national noch international bekannt und zählen deshalb unglücklicherweise auch nicht zur Hundeprominenz. Inzwischen dürften sie alle unter schweren Minderwertigkeitskomplexen leiden. Vielleicht sollte ich schleunigst einen Termin mit einem bekannten Hundepsychologen oder noch besser Hundepsychiater vereinbaren? Irgendwo muss man doch das durch obiges unverantwortungsloses Verhalten eingesparte Geld ausgeben und damit sein schlechtes Gewissen umgehend beruhigen, oder?

 

Ich habe auch noch nie einen Hund abgegeben, weil er sich mit den anderen nicht vertrug, oder besser gesagt, im Rudel nicht wohl fühlte. Auch von Hunden, die nicht dem Standard entsprachen oder aus anderen Gründen nicht ausstellungstauglich waren, habe ich mich bisher nicht getrennt. Frage, bin vielleicht sogar ich und nicht die armen Hundchen deswegen ein akuter Fall für den Psychiater? Ich sollte das umgehend mit einem Therapeuten klären.

 

Meine Hunde müssen sogar mit uns zusammen in ein und demselben Haus leben, anstatt die Herrlichkeiten einer stressfreien Freilandhaltung genießen zu dürfen. Wir füttern noch nicht einmal das teuerste und deshalb beste Trockenfutter, das es derzeit auf dem Markt gibt. Meine Setter haben bisher nur einfache Lederhalsbänder, anstatt aufwändig verzierter, bekommen. Sie haben statt vergoldeter Näpfe nur ganz einfache aus Edelstahl und auch keine Luxusbetten für 500 Euro, das Stück versteht sich. Ich halte egoisterweise die Hunde einfach aus reiner Liebhaberei, ohne jegliche Zucht- und Ausstellungsambitionen, pfui!

 

Meine Gespräche mit anderen Hundehaltern drehen sich deshalb auch um die Hunde und nicht deren edler Ahnenreihe, den Ausstellungserfolgen oder dem gerade erreichten Championat. Mir ist auch unverständlicherweise vollkommen egal, ob mein Hund dem Standard entspricht, den kritischen Blicken anderer Aussteller standhalten kann, oder gar den Vorstellungen von Ausstellungsrichtern nahe kommt.

 

Alles im Allem scheine ich wirklich, kynologisch gesehen, nur Fehler zu machen, eine wahre Katastrophe, ja der absolute Super GAU unter den Hundehaltern zu sein, vollkommen zerknirscht muss ich nun zu geben: Ich bin als Ausstellerin gänzlich ungeeignet, meine Hunde und alle begeisterten Aussteller mögen mir hoffentlich verzeihen, ich schäme mich ja soooo, gelobe aber keine Besserung!

 

Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen und Hunden sind selbstverständlich rein zufällig und keinesfalls beabsichtigt!!

 
 
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© 2005-2016 Silvia Gabler